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BROTHER YUSEF von Nicolas Humbert
2005 / produziert von der Balzli & Fahrer Filmproduktion
Ein Briefkasten im Winterwald, an einer schmalen Strasse mitten im Nichts:
Hier wohnt Yusef Lateef, und hier besuchen ihn die Filmemacher. Der Jazzmusiker
lebt alleine mit seinen Instrumenten, abgeschieden von der Welt, und erzählt
mit leiser Melancholie von seinen Erinnerungen an die Arbeit mit John Coltrane
und Dizzy Gillespie. Ergänzt werden diese Anekdoten und Reflexionen übers
Musikmachen mit Lateefs Gesang und dem Spiel auf seinen Instrumenten. Beim
Erzählen wie auch beim Musizieren strahlt der alte Mann eine innige Tiefe
und Ruhe aus: zwischen den Sätzen und Melodiepassagen zögert er immer
wieder, horcht in sich, und was dann ertönt, wirkt wie eine Meditation,
die aus der Mitte des Moments heraus entsteht. Die persönliche Suche nach
der eigenen Stimme, sagt Lateef, sei die Wurzel der Kreativität.
Das filmische Vorgehen von Nicolas Humbert und Werner Penzel folgt dem Wesen
des Porträtierten respektvoll: Mit der adäquaten Mischung aus vorsichtiger
Distanz und Einfühlung gehen sie auf den Musiker ein und lassen ihm viel
Platz und Zeit. So entfalten sich die schlichten Aufnahmen eindringlich: die
Hände auf der Klaviertastatur, die Furchen auf der Stirn, die Vibrationen
der Stimme – all diese Details finden ihre Resonanz dank der bewussten
Reduktion der filmischen Gestaltung, die sich in der Kargheit des verschneiten
Waldes spiegelt. Weit und breit scheint niemand zu sein, und man fragt sich:
Wie kommt Lateefs Musik bloss unter Menschen, wie findet sie ihr Publikum,
wie gelangt sie aus dieser Abgeschiedenheit heraus, die doch für ihr Entstehen
so nötig scheint? Umso schöner ist es, dank den Filmemachern daran
teilhaben zu können. Mehr noch: zuzuschauen, wie die filmische Gestaltung
mit dem Porträtierten eine Synthese eingeht, die man sich subtiler fast
nicht vorstellen kann. Brother Yusef wirkt wie eine vollendet harmonische Zusammenarbeit
zwischen den drei Menschen. Die Schlusseinstellung zeigt Lateef im Türrahmen
seines Hauses. Er verabschiedet die Filmemacher und uns Zuschauer, winkt und
schliesst dann leise die Tür. Das wars, sagt diese Geste, der Besuch ist
zu Ende, der Film aus: Teil des Porträts ist auch der Abschied vom Porträtierten
und die Stille, die danach einkehrt.
Regie: Werner Penzel, Nicolas Humbert
Kamera: Chilinski
Ton: Jean Vapeur
Schnitt: Simone Fürbringer
Color Correction/Finishing: RecTv, Bern
Produktion: Balzli & Fahrer Filmproduktion, Bern
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